Politische Bilanz 16 n.E.: Verschiebung des Mächtegleichgewichts?
19.11.2011 von Manion Senator
Fast ein Jahr ist vergangen, seit unsere gesamte Galaxis am Scheideweg zwischen Sieg und Niederlage stand. Zwischen die Fronten zweier barbarischer Mächte geraten, drohte der uns bekannten Zivilisation ihre komplette Vernichtung in Anbetracht der unbarmherzigen Vorgehensweise ihrer Feinde. Unvorstellbare Anstrengungen in der Kriegsführung forderten nicht nur von den Soldaten und Offizieren verschiedenster Fraktionen ihren Tribut, sondern auch von der Zivilbevölkerung unzähliger Welten. Angesichts unbeschreiblichen Leids und der vernichtende Kraft des Krieges zwischen Shkaam und Yuuzhan Vong schlossen sich selbst ehemaligen Erzfeinden zeitweise in Bündnissen zusammen, um nicht hinweggefegt zu werden. Es war die Stunde der Helden und zugleich der Moment der größten Trauer um Millionen von Opfer. Zu ZI: 281115 n.E. konnte sich die Galaxis in einem Verzweiflungsschlag der Bedrohung ihrer eigenen Existenz entledigen und wieder aufatmen. Bevor in den kommenden Wochen auf den verschiedensten Welten dieser Tag gefeiert wird, soll eine politische Bilanz gezogen werden.
Die Euphorie war groß, nachdem ein Großteil der Flotten der Vong und Shkaam durch eine Koalitionsstreitmacht im Schlund vernichtet worden war. Unsere Galaxis war nicht nur von einer Geißel befreit worden, es war darüber hinaus der Glaube an einen dauerhaften Frieden zwischen den Großmächten, welcher in vielen Bevölkerungen einen Freudentaumel auslöste. Über Ideologien und Grenzen hinweg waren Imperium, Republik, Ssi Ruuk, Hapaner, Chiss und viele weitere Fraktionen während und nach dem Krieg zusammengestanden und hatten sich gegenseitig Hilfe zugesichert. Nach den Entbehrungen und Schlachten waren die humanitären Hilfslieferungen, egal aus welcher Richtung, nicht nur willkommen gewesen, sondern scheinen darüber hinaus vollkommen uneigennützig. Die diplomatischen Bande zwischen den Mächten waren noch Anfang des Jahres 16 n.E. so eng wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Viele träumten von der Auflösung des bisherigen Gleichgewichts und einem ungeahnten Wandel - einer Galaxis ohne Grenzen, Ideologien und Krieg.
Das Mächtegleichgewicht und die politische Lage der Galaxis hat sich verändert – vielleicht was dies aber erst der Anfang.
Die Ernüchterung kam schnell und für viele Beobachter gnadenlos. Bündnisse zerbrachen und wurden nach der Beseitigung einer externen Bedrohung nicht einmal neu verhandelt. Hilfslieferungen wurden zu politischen Zwecken missbraucht, um ganze Planetenbevölkerungen von der Richtigkeit der eigenen Sache zu überzeugen. Alte Feindschaften traten mit ungeahnter Intensität wieder auf. Statt gemeinsam den Wiederaufbau voranzubringen, versuchten die Machthaber sämtlicher Fraktionen, raffgierig eine möglichst vorteilhafte Position zu erringen. Bürgerkriege und schwelende Konflikte zwischen den Großmächten bestimmten bald wieder den Alltag der Nachkriegsordnung. Doch auch wenn die Vorstellung von Frieden und Einigkeit schnell wieder begraben wurde, stellt sich die Frage, in welcher Lage sich unsere Galaxis heute befindet. Welche Fraktion hat durch ihre Politik und aufgrund der äußeren Umstände schlussendlich vom Krieg zwischen Shkaam und Vong profitiert? Eine kurze Bilanz soll Ordnung in das politische Chaos des Jahres 16 n.E. bringen.
Das Reich der Chiss: Bereits im Jahr 9 n.E. traf die blauhäutige Rasse der Chiss zum ersten Mal auf die mächtige Kriegsmaschinerie der Shkaam. Trotz ihres Stolzes und ihres Rufes, tapfere Krieger zu sein, mussten die Chiss schnell feststellen, dass sie allein den Invasoren nicht viel entgegenzusetzen hatten. Ihre Fronten brachen und ihrer Vernichtung konnten sie nur durch das Eingreifen des Imperiums entgehen. Von diesem Schlag konnte sich das Reich der Chiss jedoch nie wirklich erholen. Als die Vong fünf Jahre später in ihre Gebiete einfielen, befanden die Chiss sich noch mitten im Wiederaufbau. Obwohl sie mit ihrem Verbündeten erneut ein militärischer Sieg davontrugen, wurde ihr Reich derart geschwächt, dass die Chiss als politische Macht für lange Zeit zu einem Vasallen des Galaktischen Imperiums herabsinken dürfte.
Die Yevethaner: Nach ihrem Expansionsfeldzug im Jahr 5 n.E. und der verheerenden Niederlage gegen das Imperium in den darauf folgenden Jahren war es still geworden um die Yevethaner. Die Alienrasse, welche jetzt bereits seit fast einem Jahrzehnt in einem kalten Krieg mit dem Imperium steht, hat jedoch insbesondere das vergangene Jahr ausgiebig genutzt. Während die Aufmerksamkeit des Imperiums sich auf den Krieg gegen die Vong fokussierte, schien die Macht und Stärke der Yevethaner im Verborgenen wieder zuzunehmen. Die vermehrten Meldungen über Konflikte im Koornacht-Cluster weisen auf eine erhöhte Aktivität gegen die Besatzung durch das Imperium hin. Womöglich macht sich ein gestärktes Reich der Yevethaner bereit, zurückzuschlagen und wieder zu alter Herrlichkeit aufzusteigen.
Das Kaiserreich der Zahaliraner: Das Reich der katzenartigen Zahaliraner wurde während des Krieges gegen die Vong zu Bühne eines tragischen Stücks, welches in einem Theater auf Coruscant nicht besser hätte aufgeführt werden können. Nach dem Tod des Kronprinzen bei der Verteidigung seiner Heimat gegen einen übermächtigen Feind drohte nicht nur sein Vater, der Kaiser, an diesem Verlust zu zerbrechen, sondern mit ihm auch das gesamte Reich. Mit Todessehnsucht und dem Mut der Verzweiflung stürzte sich der Herrscher der Zahaliraner in den militärischen Abwehrkampf und überließ die politische Bühne seinen verbliebenen Söhnen. In einem Machtkampf, der schlussendlich in einen Bürgerkrieg mündete, schwächten die Prinzen ihre Heimat selbst nach dem Kampf gegen die Vong noch weiter. Obwohl sich die Fronten im Volk der Zahaliraner mittlerweile geklärt haben, wird es noch Jahre dauern, bis das Reich zu alter Stärke zurückfindet.
Auch die Dritte Republik hat versucht, wieder an Einfluss zu gewinnen. Ihre Intervention in den Zahaliranischen Bürgerkrieg war möglicherweise nur der erste Schritt.
Die Dritte Republik: Geboren aus dem Krieg gegen das Galaktische Imperium scheint dieser Geburtshelfer die Republik selbst Jahre später nicht loszulassen, obwohl sie nach dem Frieden strebt. Der Krieg gegen die Vong und Shkaam traf auch die Dritte Republik schwer und hinterlässt bis heute seine Spuren. Mit immer größerer Sicherheit scheint das eigentlich vom Senat regierte Planetenbündnis auf einen Bürgerkrieg zuzusteuern. Das während des Krieges immens gestärkte Militär versucht, an seiner neugewonnen Machtposition festzuhalten und gefährdet damit das liberale und freiheitsliebende System der Republik. Trotz Rückschlägen und der politischen Konflikte im Inneren, konnte sich die ehemalige Allianz gegen das Imperium mit beträchtlichen Vorteilen positionieren. Ein starkes Militär, eine weitsichtige und machtorientierte Außenpolitik und ein rascher Wiederaufbau der Wirtschaft machen die Republik wieder zu einem ernsthaften Konkurrenten des Imperiums.
Das Galaktische Imperium: Das imperiale Militär trug aufgrund seiner bisherigen Vormachtstellung in unserer Galaxis nicht nur die Hauptlast des Krieges gegen die Yuuzhan Vong, sondern musste auch die höchsten Verluste und schlimmsten Niederlagen einstecken. Obwohl es schlussendlich als Führungsmacht den Sieg gegen die Invasoren davontragen konnte, hat sich das Reich der Neuen Ordnung bis heute nicht vollständig von den unzähligen Schlachten erholt. Im Inneren grundsätzlich noch stabilisiert und in der Außenpolitik als Retter der Galaxis anerkannt, hat das Imperium seine militärischen Verluste noch lange nicht ausgeglichen. Bis es wieder zu alter Stärke gelangen kann, ist das geschwächte Reich unter Casston I. stetig bedroht, seine Vormachtstellung gegen seine vielen Feinde zu verlieren.
Shkaam und Vong: Nach ihrer Niederlage im Schlund-Zentrum scheinen die Shkaam und Vong dauerhaft als militärische Mächte in den Kernregionen der Galaxis liquidiert. Auf welche Reserven beide Fraktionen in den unbekannten Regionen zurückgreifen können, ist nicht bekannt. So plötzlich wie sie aufgetaucht waren, scheinen sie jetzt jedoch auch wieder verschwunden zu sein. Ihre wahre Stärke ist daher nur schwer einzuschätzen. Möglicherweise kehren die Verbände der Vong in einigen Jahren zurück, um erneut Tod und Vernichtung über unsere Zivilisation zu bringen, vorerst scheinen sie jedoch ebenso wie die Shkaam in der Bedeutungslosigkeit versunken zu sein.
Das Sternenreich der Hapaner: Nach ihrem Militärbündnis mit dem Imperium und der militärischen Abrieglung ihres Clusters gegen sämtliche Aggressoren konnten die Hapaner ihre Grenzen schützen und mussten nur geringe Verluste hinnehmen. Das von Frauen dominierte Reich konnte daher relativ gesehen zu allen anderen Mächten gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen. Die Auseinandersetzungen in den grenznahen Räumen zum Imperium zeigen, dass damit offensichtlich auch der Expansionsdrang der Hapaner wieder zunimmt.
Die Ssi Ruuk: Obwohl sich die Ssi Ruuk noch während der Kampfhandlungen mit den Vong oftmals in den Schoß des Imperiums flüchteten und im Gegenzug ebenfalls Hilfen versprachen, entstand kein dauerhaftes Bündnis zwischen den Mächten. Nach dem Krieg entwickelte sich relativ schnell wieder ein Konkurrenzverhältnis zwischen den Fraktionen und die Ssi Ruuk versuchen, sich gegenüber einem geschwächten Imperium zu profilieren. Wie schwach oder stark das Reich der Echsen selbst ist, bleibt Spekulation. Die Meldungen über einen Bürgerkrieg und Abspaltungsbestrebungen innerhalb der eigenen Gebiete werfen eher ein schlechtes Licht auf die Ssi Ruuk als politische Macht.
Der Dunkle Orden: Vor und ebenso nach dem Krieg war und ist weiterhin wenig über die wahre Stärke und Macht des Dunklen Ordens bekannt. Ob es sich um einen Vasallen und Werkzeug des Imperiums handelt, einen gleichberechtigten Partner oder gar um einen internen Konkurrenten, kann weiterhin nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Wie sich der Orden in Zukunft verhalten wird und wie er sich in das Mächtegleichgewicht der Galaxis einfindet, bleibt daher auch in Zukunft nur Spekulation.
Wie lange kann das Imperium seine Vorherrschaft noch verteidigen?
Schlussendlich zeigt sich, dass keine der herrschenden Großmächte einen immensen Sprung nach vorn gemacht hat oder mit starken Machteinbußen zu kämpfen hatte, außer den Yuuzhan Vong und Shkaam. Relativ gesehen zu ihrer Position vor dem Krieg waren es gerade Mittelmächte und bisher unbekannte Akteur im Spiel der Mächte, die an Einfluss gewonnen haben. Das Imperium der Hand, die Republic Engineering Corporation und die Mandalorianer tauchten während des Höhepunkts des Konfliktes quasi aus dem Nichts auf und konnten sich als militärische, wirtschaftliche und politische Größen positionieren, die in Zukunft im Konzert der Mächte zumindest mitspielen dürfen.
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